Mord auf Okinawa ruft diplomatische Verwicklungen zwischen USA und Japan hervor

Auf der japanischen Inselgruppe der Präfektur Okinawa befindet sich der Großteil der in Japan stationierten US‑Truppen. Die Stationierung steht in der Kritik, auch weil es immer wieder zu Übergriffen auf die Inselbevölkerung kommt. Nun zieht ein Raubmord Spannungen zwischen Japan und den USA nach sich.

Wie die öffentlich-rechtliche japanische Rundfunkanstalt NHK News berichtet, steht ein US-Marineinfanterist im Verdacht, eine Einheimische ermordet und ausgeraubt zu haben. Des Raubmordes verdächtigt wird der 20‑jährige Devin B., der auf dem US-Militärflugplatz Futenma tätig ist. Der Tatverdächtige befindet sich im Gewahrsam der japanischen Polizei.

Die Polizei in der japanischen Präfektur Okinawa verdächtigt den US-Marine, die 39-jährige Yagi A. in der vergangenen Samstagnacht in einem Hotel in der Großstadt Naha erstickt und die Geldbörse sowie andere Wertgegenstände der Toten entwendet zu haben. Die Obduktion soll ergeben haben, dass das Opfer durch Druckanwendung auf den Hals ums Leben kam.

Die japanische Polizei stützt sich in ihren Ermittlungen auch auf Überwachungskameras des Hotels, die die Anwesenheit von B. zur Tatzeit womöglich belegen könnten. Die Polizei nahm den Tatverdächtigen noch in der Tatnacht fest. Der US-Soldat bestreitet laut Polizei die Vorwürfe und soll bezüglich des Todes von Yagi A. erklärt haben, er habe "nichts davon gewusst."

Bis zu 30.000 US-Soldaten sind in der Präfektur Okinawa im Südwesten Japans stationiert. Sie machen damit das Gros der in Japan stationierten US-Truppen aus. Die Stationierung der US-amerikanischen Soldaten ist umstritten, auch weil es immer wieder zu Übergriffen auf die einheimische Bevölkerung kommt. Schwere Verbrechen wie Gewalttaten und Vergewaltigungen hatten in den Jahren 1995 und 2016 zu landesweiten Protesten geführt.

Ähnlich wie in Deutschland gibt es auch in Japan juristische Komplikationen bei von US-Soldaten verübten Straftaten. Das japanisch-amerikanische Statusabkommen über Streitkräfte sieht vor, dass US-Behörden vorrangig die Gerichtsbarkeit über im Dienst vorgefallene Verbrechen haben. Tatverdächtige, deren mutmaßliche Delikte außerhalb des Dienstes begangen wurden, sollen bis zur Anklage in US-Gewahrsam bleiben. Im aktuellen Fall machten die US-Sicherheitskräfte aber offenbar nicht von diesem Vorrecht Gebrauch.

Der Mord droht die US-amerikanisch-japanischen Beziehungen zu belasten. Das japanische Außenministerium gab am Sonntag bekannt, US-Botschafter George Glass einbestellt zu haben, um bezüglich des mutmaßlichen Raubmordes durch einen US-Soldaten Protest einzulegen.

Außenminister Toshimitsu Motegi forderte demnach die US-amerikanische Seite zur uneingeschränkten Kooperation bei den laufenden Ermittlungen auf. Außerdem appellierte er an die Vereinigten Staaten, durch eine stärkere Disziplin künftig solche Tragödien zu verhindern.

Ähnlich äußerten sich die japanische Premierministerin Sanae Takaichi und der japanische Verteidigungsminister Koizumi Shinjiro auf der Plattform X. Auch der stellvertretende Außenminister Funakoshi Takehiro soll Medienberichten zufolge mit dem US-Botschafter diesbezüglich telefoniert haben.

Botschafter George Glass bekundete sein tiefes Bedauern über den Vorfall und versprach, die Vereinigten Staaten würden uneingeschränkt zur Aufklärung des Falls beitragen und alles in ihrer Macht Stehende tun, um Derartiges künftig zu verhindern. Entsprechendes postete die US-Botschaft in Tokio auch in den Sozialen Medien, wo sie den Angehörigen des Opfers kondolierte. Der US-Botschafter versicherte, bereits mit dem Gouverneur von Okinawa, Koja Genta, telefoniert zu haben.

Damit will sich Gouverneur Genta der japanischen Nachrichtenagentur Jiji Press zufolge jedoch nicht zufriedengeben. Er plant ein Treffen mit Premierministerin Takaichi und Verteidigungsminister Koizumi, um gegen das Verbrechen zu protestieren. Der "absolut unentschuldbare" und "ihn äußerst empörende" Mord dürfe nicht ignoriert werden.

Das Verbrechen fällt in eine Zeit, in der die zweijährlichen gemeinsamen Übungen des japanischen und des US-amerikanischen Militärs auf der zu Okinawa gehörigen Insel Yonaguni stattfinden sollen. Während des für Ende Oktober angesetzten Manövers "Keen Sword" werden die USA Medienberichten zufolge erstmals ein fortschrittliches Anti-Schiff-Raketensystem namens NMESIS dort stationieren.

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