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Von Horst Aden, Berlin
Im letzten Jahr der Weimarer Republik wurde ich in eine gesellschaftskritische Familie hineingeboren. Meine Mutter stammte aus einem sozialdemokratischen Elternhaus. Von meinem Vater weiß ich nur, dass er einst bei der USPD war und nach 1945 in die KPD eingetreten, aus der er 1947/8 wegen "negativer Kritik" wieder ausgeschlossen worden ist. Nach meiner Geburt war noch nicht einmal ein Jahr vergangen, als die Nazis an die Macht gebracht worden sind und mein Vater wegen seiner Gesinnung als Lehrer abgebaut wurde, was man in der Bundesrepublik später Berufsverbot genannt hat. So hatten meine Eltern die schwierige Aufgabe, mich vor der Verseuchung mit der Nazi-Ideologie zu schützen, was ihnen auch gelungen ist, zumal mich der militaristische Rummel nicht begeisterte.
Als ich einmal mit meiner Mutter in Leipzig auf dem Brühl war, sah ich einen Mann in einem dunklen Anzug mit einem grellblendend gelben Stern auf der Brust. Das war so erschütternd, dass ich meine Mutter danach fragte, was das bedeutet. Sie erklärte es mir. An kriegsvorbereitenden, propagandistisch militaristischen Veranstaltungen, wie Erbsensuppe mit Speck aus der Gulaschkanone in einer Kaserne, nahmen wir nicht Teil. Auch an der Diskriminierung anderer Völker, wie Polen mit dem abwertenden Begriff Polacken zu bezeichnen, beteiligten wir uns nicht. Im Kindergarten wurde einmal des "Führers" Geburtstag gedacht. Dabei wurde gesagt, dass er Kunstmaler werden wollte, und ein Bild mit roten Blumen gezeigt. Das war alles, was ich auf dieser Strecke im Kindergarten erlebt habe.
Als ich 1939 im Alter von sieben Jahren eingeschult wurde, begann der Überfall auf Polen. Den Überfall auf die Sowjetunion erfuhr ich auf der Straße in der Nähe meiner Schule durch eine Frau, die es einer anderen berichtete. Beide waren davon nicht gerade begeistert.
In den ersten drei Jahren der Grundschule hatten wir einmal nat.-pol. (nationalpolitischen) Unterricht, in dem der Lehrer den Lebenslauf Martin Luthers in Bildern an die Tafel malte und wir das mit den entsprechenden Texten abzeichnen sollten. Das war national, politisch, aber nicht nazistisch. An mehr nat.-pol. Unterricht kann ich mich nicht erinnern. Während des Krieges zeigten einige Mitschüler Granatsplitter. Der Gedanke, von einem solchen scharfkantigen Splitter getroffen zu werden, war nicht gerade verlockend. Einige Schüler begeisterten sich für die "Heldentaten" der Ritterkreuzträger, ohne das geringste Mitgefühl für ihre Opfer zu haben.
Mein Vater versuchte aufklärend zu wirken. Einmal wurde er dafür angezeigt, kam in Untersuchungshaft, wo meine Mutter, meine kleine Schwester und ich ihn einmal besuchen konnten, und wurde wegen Verstoßes gegen das Heimtückegesetz angeklagt. Er hatte das Glück, dass der Zeuge, der gegen ihn aussagen sollte, meinte, dass er sich an nichts erinnern könne, und nichts aussagte.
Nach der Entlassung aus der Haft fand mein Vater Arbeit an der Fernschule in Bad Frankenhausen in Thüringen. Im Sommer 1942 besuchte ich meinen Vater in Bad Frankenhausen, dessen bergige, waldreiche Umgebung mir so gut gefiel, dass ich dort blieb. Im Herbst kam ich in die vierte Klasse der Grundschule mit 40 Schülern, von denen einige mehrfach sitzen geblieben waren. An einer Außenseite der Schule hing ein Schaukasten mit dem Stürmer, der Zeitung der SA. Darin gab es unter anderem eine Spalte, in der den Juden Verhaltensweisen unterstellt wurden, mit denen ein Volk völlig lebensunfähig wäre, so dass ich mich fragte, wie man so etwas überhaupt glauben könne. Dass so etwas möglich ist, ist in den letzten fünf Jahren erst unter dem Vorwand eines angeblich äußerst gefährlichen Coronavirus und jetzt aggressiven Russlands belegt worden. Beides ist leicht zu durchschauen, wenn man sich die im Internet zugänglichen Statistiken ansieht, im ersten Fall die Sterberaten und im zweiten die Verhältnisse der weltweiten Rüstungsproduktion. Es gibt weder ein Motiv noch die Möglichkeit dafür.
Im zweiten Fall bräuchte man sich auch nur daran zu erinnern, dass die Sowjetunion schon 1952 den Vorschlag (die im Westen sogenannte Stalin-Note) gemacht hat, mit einem einheitlichen neutralen Deutschland einen Friedensvertrag abzuschließen und die Besatzungstruppen abzuziehen. Das haben die Westmächte abgelehnt. Die sowjetischen/russischen Truppen sind bis 1994 abgezogen. Was hatte das für einen Sinn, wenn sie doch an den Atlantik wollten? Umgekehrt ergibt sich ein Sinn, wenn die westlichen Truppen in Deutschland bleiben und später unter Bruch eines Versprechens nach Osten vorrücken.
Die Kollegen meines Vaters an der Fernschule waren bis auf einen SA-Mann, zu dem mein Vater trotzdem ein gutes Verhältnis zu haben schien, nicht kriegsverwendungsfähig (kv.). Darüber hinaus waren sie auch keine Nazianhänger. Eines Tages kam unser Lehrer in die Klasse und schickte einen Mitschüler zu einem seiner Kollegen. Es war der Sohn eines Kollegen meines Vaters. Nachdem dieser den Klassenraum verlassen hatte, bot der Lehrer demjenigen, der bezeugt, dass der Vater dieses Schülers ihn mit seinem Stock geschlagen habe, einen Viertelzentner Obst. Ein Schüler, der viermal sitzen geblieben war, meldete sich dafür. Da mich der Vorfall empörte, schilderte ich ihn meinem Vater. Es kam zum Gerichtsverfahren, wozu ich als Zeuge geladen wurde. Zu meiner Aussage wurde ich in den Gerichtssaal gerufen. Die Frage des Richters bejahte ich und wurde sofort wieder aus dem Saal geführt. Leider merkte ich erst dabei, dass der Richter die Frage negiert gestellt hat. Das war meine erste Bekanntschaft mit der Klassenjustiz.
Im folgenden Jahr kam ich in die Oberschule. Unser Englischlehrer hatte den Spitznamen "Hitler auf dem Rade", da er beim Radfahren mit ausgestrecktem Arm grüßte. Im Unterricht war allerdings nichts davon zu bemerken.
Wer in die fünfte Klasse kam, wurde, ob er wollte oder nicht, Pimpf und musste mittwochs und sonnabends zum Jungvolkdienst anrücken, der aus Marschieren und Geländespielen bestand. Zur Abwechslung hat man uns einmal einen Micky-Maus-Film gezeigt. Mein Vater hatte von einem Bekannten einen Radioempfänger ohne Lautsprecher bekommen, mit wir die Möglichkeit hatten, mit einem Kopfhörer zusammen "Feindsender" zu hören, was mit mindestens zwei Jahren Zuchthaus bestraft wurde. Damit konnten wir uns unter anderem über den Frontverlauf informieren. Bis die Befreier kamen, dauerte es noch etwa drei Jahre.
Es waren US-amerikanische Truppen, die praktisch ohne den geringsten Widerstand einmarschierten, besser gesagt auf ihren Panzern einfuhren. Dass ihrer Regierung andere Interessen hatte, als uns zu befreien, begriffen wir allmählich später, wenn überhaupt. Kaum waren sie da, begannen die Plünderungen in den zwei Kinderheimen und einer Gaststätte unter den Augen des US-amerikanischen Militärs. Die beiden Kinderheime war ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor des Kurortes, der nur nach vollständiger neuer Ausstattung wieder genutzt werden konnte, aber wo sollte diese herkommen?
Bald bekamen wir die Aufforderung, uns an einer bestimmten Stelle zur Registrierung zu melden. Uns wurden die Fingerabdrücke abgenommen und wir bekamen einen Ausweis, mit dem wir uns im Umkreis von sechs Kilometer bewegen durften. Dann hieß es, dass wir Fotoapparate und Radiogeräte abzugeben hätten, was militärisch in der Situation völlig sinnlos war. Die US-amerikanischen Truppen wurden äußerst gut versorgt, so dass sie viele Überreste von ihren Nahrungsmitteln hatten, die sie in der Nähe verbrannten und auf einem nahe gelegenen Acker vergruben. Es gab auch Soldaten, die Kindern mal einen Block Schokolade gaben. Ihren Müll luden sie prinzipiell auf Waldwegen ab.
Ich hatte zwar nichts für die deutsche Wehrmacht übrig, aber als ich gesehen habe, wie die US-Truppen die deutschen Kriegsgefangenen auf überfüllten offenen LKWs transportierten, was an eine Blumenvase mit über den Rand hängenden Blumen erinnerte, haben mir die Soldaten doch leid getan. Der Kollege meines Vaters, der bei der SA war, ist von der US-Armee nach Bad Kreuznach gebracht worden. Später erfuhren wir, dass er dort verhungert sei, was wir sehr bedauerten. Er war einer von den 900.000, die dort umgekommen und im Westen als Opfer sowjetischer Schweigelager umgebucht worden sind.
Wir erfuhren auch von dem Abwurf der beiden Atombomben auf Japan. Im Juli begann der Abzug der US-Truppen, die in den 65 Zügen mit über 3.000 Waggons nicht nur ihre Sachen, sondern auch Beutegut hatten, wovon auch im Potsdamer Abkommen die Rede ist. Zum Beutegut gehörten auch alle Naturwissenschaftler der Leipziger Universität und beispielsweise über 90 Tonnen Silber aus dem Werk AGFA-Wolfen samt Fachleuten. Ähnlich sah es auch in den Werken Carl-Zeiß-Jena und im Glaswerk Schott & Genossen aus. Begleitet wurde dieser Abzug mit übler Hetze gegen die Sowjets, die recht unauffällig waren bis auf ihre Schlafgesänge, mit denen sie abends noch auf den Straßen marschierten.
Die übereinstimmende Ansicht war, dass es nie wieder Krieg geben solle. Sehr oft war zu hören: "Hoffentlich machen die Russen mit uns nicht das, was wir mit ihnen gemacht haben." Die Grausamkeiten hatten sich herumgesprochen. Als der Sohn unseres Wirtes in Urlaub kam, zeigte er uns zwei Fotografien mit mannshohen Leichenhaufen. Auf die Frage meines Vaters, was damit gemacht würde, antwortete er: "Es wird Benzin darüber gegossen und angebrannt." Meine Schlussfolgerung daraus war, dass Deutschland und Russland zusammen arbeiten müssen, wozu man Sprachkenntnisse braucht.
Im Herbst begann die Schule wieder, wo wir die meisten Lehrer, da sie sich nicht kompromittiert hatten, wiedersahen. Die durch die entlassenen Nazis entstandenen Lücken wurden mit Neulehrern gefüllt, die parallel zu ihrer Lehrtätigkeit ihr Wissen erwarben. Letzten Endes wurde es mit den Lehrplänen geschafft, dass die ostdeutschen Schüler ihren westdeutschen Altersgefährten im Wissen voraus waren.
Zusätzlich hatten wir in der Oberschule noch drei Lehrerinnen aus Riga. Sie konnten alle Russisch sprechen. Bei einer von ihnen hatten wir Russisch. Das war zwar sehr gut, aber es reichte mir nicht. So habe ich mir 1947 eine russische Chrestomathie (Literatursammlung) und dazu ein gutes Wörterbuch gekauft. In der Chrestomathie las ich täglich so viel Text, dass ich etwa 20 mir noch unbekannte Vokabeln fand. 1950 konnte ich meine ersten Gespräche mit sowjetischen Bürgern führen. Das war fünf Jahre nach dem für die Sowjetmenschen sehr opferreichen Kriege. Später habe ich noch hunderte, eher tausende solche Gespräche geführt. Bei denen bin ich nicht ein einziges Mal so gedemütigt worden, wie ich das nach 1991 von gewissen westdeutschen Landsleuten erlebt habe.
Wir hofften auf eine sozialistische Entwicklung nach dem Kriegsende. Meinen Beitrag dazu wollte ich altersgemäß durch zusätzliches Lernen liefern. Ich konzentrierte mich dabei im Wesentlichen auf die Naturwissenschaften und las darüber hinaus Werke von Marx, Engels, Lenin und Stalin. Die Schriften der ersten drei waren mir bis zum heutigen Tag von Nutzen. Den Stil der stalinschen Schriften fand ich eigenartig. 1950 war ich Zirkelleiter im FDJ-Lehrjahr zum Thema Stalinbiografie. Da erfuhr ich, dass J. Dshugaschwili (Stalin) das Tifliser Priesterseminar besucht hatte und als ich später das erste Mal eine Predigt hörte, wurde mir klar, wodurch sein Stil geprägt worden war. Eine Ausnahme bildete die unter seinem Namen herausgegebene Schrift: "Über Dialektischen und Historischen Materialismus". Da seine Politik nicht den Erkenntnissen dieser Schrift entsprach, ist stark zu bezweifeln, dass er sie geschrieben hat. Auch die Marxsche Politische Ökonomie spiegelte sich in seiner Wirtschaftspolitik nicht wider.
1954 begann ich ein Physikstudium an der Karl-Marx-Universität Leipzig. Der Chemieprofessor Wolf war zurückgekommen und hielt Vorlesungen. Das zerbombte Physikalische Institut war durch ein neues ersetzt worden, das allen Anforderungen gerecht wurde. Fünf Professoren betreuten die obligatorischen Fachgebiete und darüber hinaus verschiedene wahlweise. Das war eine gewaltige Leistung, die auch der Westen für sich zu nutzen versuchte, während er uns gleichzeitig schadete, wo er nur konnte.
Das "bedeutendste" Fach war der Marxismus-Leninismus. Im Laufe der Vorlesungen wurden physikalische Gesetze als bürgerlich verunglimpft. Eines Tages kam der Dozent in den Hörsaal mit den Worten: "Der Focke (unser Mathematikdozent) beschäftige sich mit Linsenfehlern fünfter Ordnung, ha ha ha." Diese Marxismus-Leninismus-Leute Stalinscher Prägung meinten, mit ihren Kenntnissen alle Probleme lösen zu können und hatten es deshalb gar nicht nötig, unseren Mathematikdozenten danach zu fragen, welchen Zweck er denn verfolge. Er arbeitete für die optischen Carl-Zeiß-Werke in Jena, die eine große Bedeutung für den Export hatten.
Am Physikalischen Institut der Leningrader Universität hatte ich Anfang der sechziger Jahre folgendes Erlebnis: Ein Dozent kam von einer Vorlesungsreihe an der Potsdamer Universität zurück und berichtete über das oben geschilderte Verhalten der "Marxisten-Leninisten", worauf ein anderer sagte: "Das war bei uns genauso, nur wir mussten die Atombombe bauen und seitdem können wir frei forschen." 25 Jahre etwa und Drucks von außen hat es bedurft, um diese Bremse zu lösen. Wie viele andere Bremsen haben das Land behindert? Ich erwähne nur Genetik und Kybernetik.
1957/58 erfuhr ich bei einem Berufspraktikum in einer Entwicklungsabteilung im Funkwerk Dresden, wie geplant wird, und schloss daraus, dass mit dieser Planungsmethode ein Wettbewerb mit dem Kapitalismus nicht zu gewinnen ist. Da die Sowjetunion viel weiter entwickelt sein sollte als die DDR, hoffte ich, dass es dort besser sei. 1960 schloss ich mein Studium ab und bekam das Angebot, zu einer Aspirantur in die Sowjetunion zu gehen. Ich nahm das Angebot gerne an und kam an die Universität in Leningrad. Meine Hoffnungen erfüllten sich aber nicht.
In der Sowjetunion fand ich zwar nette Menschen, aber nicht den sozialistischen, sondern einen, der aus der Leibeigenschaft in eine andere Diktatur gekommen war, die fälschlicherweise mit Diktatur des Proletariats bezeichnet wurde. In einem persönlichen Gespräch bestätigte mir gegenüber 1973 ein Leiter von Gosplan (sowj. Plankommission), dass die Initiativen von Millionen unterdrückt werden. Wie konnte es anders sein, wenn die Menschen auf die Anweisungen "des weisen Führers und teuren Lehrers" warten mussten, ehe sie etwas tun durften. Widersprüche durfte es im "Sozialismus" nicht geben, höchstens nicht-antagonistische, wobei nicht erklärt war, was diese Wortschöpfung bedeuten sollte.
Es gab einen gewaltigen Widerspruch zwischen dem allgemeinen hohen Niveau der Volksbildung und der wissenschaftlichen Einrichtungen gegenüber dem stalinschen Marxismus-Leninismus, der sich bis zum Zusammenbruch der KPdSU hielt. 1957 wurde in der DDR ein Forschungsrat gegründet, den Walter Ulbricht sehr ernst nahm. Man spürte das an den Maßnahmen. Walter Ulbricht hatte sich in jungen Jahren mit der Marxschen Politischen Ökonomie beschäftigt und begriffen, dass die aus der Sowjetunion übernommene Wirtschaftsorganisation, die bei der Planung des Nachbaus von Industrieanlagen erfolgreich war, längst durch eine innovative Planung hätte ersetzt werden müssen. Chruschtschow hatte wohl die Absicht, das zu ändern, und gab auch Walter Ulbricht die Möglichkeit dazu.
1963 wurde in der DDR das neue ökonomische System begonnen, bei dem die Entscheidungsgewalt dezentralisiert und denjenigen übergeben werden sollte, die auch die erforderlichen Kenntnisse hatten. Als ich 1964 meine Rückkehr in die DDR vorbereitete, traf ich einen Ökonomen, mit dem ich in Leningrad oft ökonomische Probleme diskutiert hatte. Er suchte für das Rechenzentrum der Plankommission mathematisch gebildete Mitarbeiter. Ich sagte ohne Zögern zu, da mir schien, dass das im damaligen Moment wichtiger war als irgendwelche physikalischen Probleme zu lösen.
Doch 1971 wurde die Hoffnung wieder zerstört. Wir wurden zusammengerufen und uns wurde mitgeteilt: "Das Neue Ökonomische System wird nicht fortgeführt, die Bilanzierung ist die Hauptmethode der Planung." Mein erster Gedanke daraufhin war: "Und das ist der Anfang vom Ende." Walter Ulbricht, der so viel für die DDR getan hatte, wurde auf Anweisung Moskaus von dem Schwachkopf Erich Honecker weggeputscht, so wie Chruschtschow schon sieben Jahre früher mittels Breschnjew.
Das Neue Deutschland, dass ich seit dem Verlassen meines Elternhauses 1951 abonniert hatte, habe ich nur noch auf der Suche nach informativen Artikeln durchgeblättert, bis ich es als Reaktion auf das Sputnik-Verbot (1988) abbestellt habe. Glücklicherweise hatte ich die Iswestija abonniert, die unter dem Schwiegersohn Chruschtschows Adshubei ein gutes Niveau erreicht und über die Zeit danach gehalten hat. Bis zum Ende der DDR dauerte es noch etwa 20 Jahre, die ersten Probleme der Honecker-Mittag-Wirtschaftspolitik waren schon in den siebziger Jahren zur erkennen. Die Rettungsversuche von Gorbatschow konnten mit dem stalinistischen Politbüro, das schon Chruschtschow Knüppel zwischen die Beine geschmissen hatte, nicht gelingen.
Geistige Faulheit, Dummheit und Anmaßung von Honeckers Politbüro führten folgerichtig 1989 zum Niedergang der Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft und zurück in den Kapitalismus. Ich darf mir ein solches Urteil erlauben, da ich immer auf die Probleme hingewiesen und mahnende Briefe an drei Politbüromitglieder geschickt habe, und nach dem letzten dieser Briefe nach 37 Jahren Mitgliedschaft aus der SED ausgeschlossen worden bin. In der Kreisleitung wurde mir gesagt, das die Genossen im Politbüro 30.000 solcher Briefe bekommen hätten, allerdings nicht in welchem Zeitraum.
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