Der oppositionelle ukrainische Journalist Anatoli Scharij stellt die offizielle Darstellung des Drohnenvorfalls am Leipziger Flughafen in Frage. In einem Beitrag auf X vom 6. September verweist er darauf, dass bereits im August 2024 Klimaaktivisten der "Letzten Generation" in den für das allgemeine Publikum gesperrten Bereich des Flughafens eingedrungen seien. Scharij erklärt in diesem Zusammenhang:
"So gab es bereits 2024 einen dokumentierten Fall, bei dem es unbefugten Personen gelungen war, in der Nacht den Sicherheitsperimeter zu durchbrechen und sich Zugang zur Landebahn des Flughafens Leipzig/Halle zu verschaffen.
Vor diesem Hintergrund sollte der Bericht eines Flughafenmitarbeiters zu einem anderen Vorfall – mit einer Drohne – eine besondere Beachtung erhalten."
Einer Quelle Scharijs zufolge entspreche die Darstellung des Drohnenvorfalls in den Medien nicht den Tatsachen. Der Flughafenmitarbeiter wollte aus Angst um seinen Arbeitsplatz jedoch anonym bleiben. Nach Angaben der Quelle habe sich der Vorfall in der Nacht beim Beladen eines Frachtflugzeugs im Vorfeld 2 des Flughafens ereignet, wo DHL-Flugzeuge und die ukrainische Antonow-Maschine stationiert waren. Scharij weiter:
"Laut der Quelle wurden Drohnen an dieser Stelle oft gesehen, obwohl sie sich Menschen nicht näherten. Diesmal war die Lage allerdings anders. Während der Beladung begann eine kleine Drohne, in der Nähe eines Frachtflugzeugs zu kreisen, und flog dann direkt in die Nähe des Mitarbeiters. Laut der Quelle sah niemand unter den Anwesenden, woher genau sie kam."
Der Mitarbeiter des Flughafens habe darauf die Drohne mit seinen Händen zu Boden gebracht, wobei deren Propeller beschädigt wurden, und meldete den Vorfall über sein Radio. Scharij betont, dass die darauf folgenden Ereignisse laut der Quelle "extrem merkwürdig" gewesen seien:
"Binnen nur weniger Minuten erschienen Polizeibeamte, Bombenspezialisten, Feuerwehr, Fernsehteams und Ausrüstung zur Entschärfung von Bomben an der Stelle."
Das plötzliche Eintreffen der Behörden und Medienvertreter habe Scharijs Gesprächspartner zufolge die Mitarbeiter des Flughafens irritiert:
"Der Flughafen liegt etwa 20 Kilometer von Leipzig entfernt, und es ist nicht möglich, einfach zum Terminal zu fahren und in den abgesperrten Bereich zu gelangen."
Ebenso hätten die anschließend publizierten Aufnahmen der Drohnen mit Sprengstoff daneben nicht den Funden der Flughafenmitarbeiter entsprochen. Insbesondere habe die von ihnen gefundene Drohne keine Sprengstoffladung getragen:
"Der Quelle zufolge war die Drohne ein kleines, billiges ziviles Gerät, das vor allem für Foto- und Videoaufnahmen verwendet wird. Sie bezweifelt, dass ein solches Gerät überhaupt eine zusätzliche Ladung hätte tragen können."
Scharij betont, dass damit zwei "grundsätzlich verschiedene" Versionen der Vorgänge am Leipziger Flughafen existieren würden:
"Die öffentliche Version beinhaltet die Entdeckung einer potenziell gefährlichen Drohne und eine anschließende Reaktion der Notdienste.
Die Version des Flughafenmitarbeiters besteht darin, dass eine gewöhnliche kleine zivile Drohne auf dem Flughafengelände erschien, dass der Mitarbeiter sie selbst zu Boden gebracht hat und unmittelbar darauf eine Reaktion von Behörden und Medien folgte, die vorab ungewöhnlich gut vorbereitet zu sein schienen."
Der Journalist hebt hervor, dass sein Bericht allein kein Beweis dafür sei, dass es sich bei dem Drohnenvorfall um eine vorsätzliche Provokation handelte. Dennoch sei eine genaue Rekonstruktion des Ablaufs der Ereignisse erforderlich. Unter anderem stelle sich die Frage, wann und von wem genau die angebliche Sprengstoffladung entdeckt wurde.
Die Bundesregierung hatte am 1. September erklärt, dass Russland für einen versuchten Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle im vergangenen Monat verantwortlich sei, und ordnete daraufhin eine Reihe von Maßnahmen an, darunter die Schließung des letzten russischen Konsulats und des Russischen Hauses für Kultur und Wissenschaft in Berlin. Moskau wies die deutschen Anschuldigungen als haltlos zurück und wirft Berlin vor, Beweise gefälscht zu haben, um Russland den Angriff anzuhängen.
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