Von Rainer Rupp
Nach dem zweitägigen Staatsbesuch Präsident Donald Trumps in Peking Mitte Mai 2026 und seiner Rückkehr nach Washington häuften sich Berichte über Diskrepanzen zwischen seinen Darstellungen und den offiziellen Stellungnahmen Chinas sowie der Golfstaaten. Trump nutzte die Rückreise und Folgeäußerungen, um Erfolge bei den Gesprächen mit Xi Jinping zu verkünden – insbesondere zu Handel, Taiwan und dem laufenden Konflikt mit Iran. Gleichzeitig behauptete er, Oberhäupter der Golfstaaten hätten ihn um Aufschub eines geplanten Militärschlags gegen Iran gebeten. Viele dieser Aussagen wurden von den jeweiligen Seiten nicht bestätigt oder direkt relativiert. Die Vorfälle werfen ein Licht auf ein zunehmend wiederkehrendes Muster in der zweiten Amtszeit Trumps.
Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums Guo Jiakun und offizielle Protokolle blieben – behutsam ausgedrückt – deutlich zurückhaltender. Peking betonte lediglich, es gebe "keinen Grund", dass der Krieg weitergehe, und die Schifffahrtsrouten sollten "so schnell wie möglich" wieder geöffnet werden. Eine spezifische Absage Xis zur Vermeidung iranischer Durchfahrtszölle durch Hormus, Xis angebliches Versprechen, keine Waffen an Iran zu liefern, oder dass China eine aktive Vermittlerrolle zur Beilegung des von Washington vom Zaun gebrochenen Konflikts übernehmen werde, wurde nicht bestätigt. Im Gegenteil: Die chinesische Seite wies Berichte zurück, wonach China einer Einschränkung seiner souveränen Verteidigungsbeziehungen zu Iran zugestimmt habe. Ein direkter Widerspruch lautete sinngemäß, Xi habe "so etwas nie gesagt".
Ähnliche Divergenzen gab es beim Thema Seltene Erden und Exportkontrollen. Die US-Darstellung sprach von einer weitgehenden Aufhebung chinesischer Beschränkungen, während Peking die Formulierungen vager und weniger verbindlich hielt.
Die Häufung derartiger Diskrepanzen, bei denen Trump sein Wunschdenken öffentlich als Fakten verkündete, und die schnelle Distanzierung durch das chinesische Außenministerium fielen selbst den beim Gipfel in Peking anwesenden US-Journalisten auf.
Hier ist die Frage der New-York-Times-Reporters: "Präsident Trump sagte, dass China zugestimmt habe, 200 Boeing-Jets zu kaufen. Wie ist die Position Chinas? Vielen Dank."
Boeing hatte offen auf eine Bestellung von 500 Großflugzeugen gehofft, aber die Firmenvertreter mussten ohne feste Bestellung auch nur eines einzigen Flugzeugs wieder nach Hause reisen. Trump dagegen posaunte in die Welt, dass Peking 200 Jets bestellt habe. Was nun folgt, ist ein Meisterstück chinesischer Diplomatie. Der Sprecher des Außenministeriums entgegnete:
"Die wirtschaftlichen und handelsbezogenen Beziehungen zwischen den USA und China sind von gegenseitigem Nutzen und von einer Win-win-Natur. Beide Seiten müssen auf der Grundlage der wichtigen gemeinsamen Übereinkünfte handeln, die zwischen den beiden Staatsoberhäuptern erzielt wurden, und mehr Stabilität in die bilaterale wirtschaftliche und handelsbezogene Zusammenarbeit sowie in die Weltwirtschaft einbringen."
Damit war die Frage der New York Times beantwortet. Sprecher Guo blickte in die Runde für die nächste Frage von AFP. Die betraf Trumps zweite Behauptung, wonach China möglicherweise US-Öl kaufen würde: "Während der Gespräche zwischen Donald Trump und Präsident Xi Jinping – hat China zugestimmt, in Zukunft US-Öl zu kaufen?"
Auch diese Frage wurde mit grandios beantwortet – Trump wurde bis auf die Knochen blamiert, ohne dass ein böses Wort des chinesischen Sprechers gefallen wäre:
"China ist bereit, mit allen Seiten zusammenzuarbeiten, um die globale Energiesicherheit zu gewährleisten und die globalen Industrie- und Lieferketten stabil zu halten. Die dringende Aufgabe besteht darin, Frieden und Stabilität in der Golfregion und im Nahen Osten wiederherzustellen. Vielen Dank."
Nächste Frage – die hatte zum Hintergrund, dass Xi Trump im öffentlichen Teil der Stellungsnahmen zum Gipfel vor der "Thukydides-Falle" gewarnt hatte. Das ist eine bekannte These aus dem alten Griechenland, die auch heute noch in der Sicherheitspolitik diskutiert wird. Demnach ist es unvermeidlich, dass der absteigende Hegemon (das war Athen) den aufsteigenden Konkurrenten (Sparta) in einen Krieg verwickelt. Damit hatte der chinesische Präsident indirekt die USA als Imperium auf dem absteigenden Ast dargestellt. Als US-Journalisten Trump auf dem Rückflug nach Washington an Bord der Air Force One auf dieses Thema ansprachen, sagte er verbatim:
"Xi hat eine Aussage gemacht; sie kam vielleicht nicht direkt von ihm. Es war jemand, aber sie haben über den Niedergang gesprochen. Aber er hat heute gesagt, und er hat es sehr öffentlich gesagt, er hat gesagt, die USA seien in den letzten vier Jahren im Niedergang gewesen. Und er hat auch gesagt, dass das, was Präsident Trump in den letzten 15, 16 Monaten getan hat, praktisch ein Wunder war. Er sagte, wir (USA) hätten das heißeste, er sagte, wir hätten das heißeste Land der Welt. Aber er sagte, es sei ein Land im Niedergang unter Joe Biden gewesen." (Die Wiederholungen im Text stammen aus dem Original.)
Aber auch diese Trump-Behauptung hat der Sprecher des chinesischen Außenministeriums auf eine entsprechende Frage eines Bloomberg-Reporters nicht bestätigt. Die lautete:
"Auf Truth Social sagte Präsident Trump, dass Präsident Xi, als er die USA als eine Nation im Niedergang bezeichnete, eigentlich auf die Zeit unter Biden und anderen Regierungen Bezug nahm und nicht auf die Trump-Regierung. Können Sie in Bezug auf diesen Social-Media-Post von Präsident Trump bestätigen, dass der Inhalt dieser Aussage zutreffend war? War das exakt das, was gesagt wurde, oder sieht China die heutigen USA im Niedergang?"
Hätte Xi tatsächlich gesagt, dass der Niedergang der USA in den vier Jahren der Biden-Regierung stattgefunden habe, wäre eine klare Bestätigung dieser Aussage durch den chinesischen Außenministeriumssprecher zu erwarten gewesen. Stattdessen wählte er eine philosophische Antwort:
"Präsident Trump hofft darauf, die USA wieder groß zu machen. Unter seiner Führung haben das US-amerikanische Volk und die Vereinigten Staaten wichtige Erfolge für den Wohlstand ihres Landes erzielt. Präsident Xi Jinping führt das chinesische Volk bei dem Vorhaben an, die große Wiedergeburt der chinesischen Nation zu verwirklichen. Sowohl China als auch die Vereinigten Staaten profitieren von ihren jeweiligen Entwicklungs- und Wiedergeburtsbemühungen, wenn sie die Zusammenarbeit miteinander stärken."
Golfstaaten dementieren Trump-Behauptung
Noch deutlicher wurde die Diskrepanz bei Trumps Aussage zu einem geplanten US-Angriff auf Iran. Auf dem Rückflug von Peking und in Folgekommentaren erklärte Trump, er habe einen "fest geplanten Angriff" einige Tage verschoben, nachdem ihn die Staats- und Regierungschefs Saudi-Arabiens, Katars und der Vereinigten Arabischen Emirate darum gebeten hätten. Es liefen "ernsthafte Verhandlungen", und die Golfstaaten hielten eine baldige Einigung für möglich. Trump sprach davon, er sei "eine Stunde" von seinem Befehl zum Angriff entfernt gewesen.
Regierungsbeamte aus den betroffenen Golfstaaten widersprachen dieser Darstellung gegenüber US-Journalisten. Sie erklärten, sie seien sich keiner unmittelbaren US-Angriffsplanung bewusst gewesen und hätten eine solche Bitte nicht geäußert. Das Wall Street Journal berichtete, dass Vertreter der genannten Staaten explizit angaben, nicht über eine bevorstehende Operation informiert gewesen zu sein. Damit wurde Trumps Behauptung einer aktiven diplomatischen Intervention der Golfpartner öffentlich infrage gestellt bzw. faktisch entkräftet.
Wenn in Zeiten gefährlicher geopolitischer Spannungen überhaupt kein Verlass auf das Wort des US-Präsidenten ist, dann verheißt das nichts Gutes für die Welt.
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