
Nach Beisetzung von Mladić – EU-Beitrittsaussichten für Serbien immer schlechter

Die feierliche Beisetzung von Ratko Mladić gefährdet den Weg in die Europäische Union für Serbien. Laut einem Politico-Bericht stieß die Trauerfeier am Montag in Belgrad, an der Tausende Menschen teilnahmen, auf Kritik aus Brüssel. Wegen angeblichen Demokratie-Defiziten und mangelnder Rechtsstaatlichkeit, sowie der Weigerung Serbiens, die Russland-Sanktionen der EU umzusetzen, stehe die EU ohnehin im Streit mit Serbien.

Christian Wigand, der Sprecher des Europäischen Auswärtigen Dienstes, erklärte am Montag, dass jede Verherrlichung von Kriegsverbrechern, die Leugnung von Völkermord und Geschichtsrevisionismus im Widerspruch zu den grundlegenden europäischen Werten stünden. Dies habe keinen Platz in der EU sowie bei den Beitrittskandidaten. Inzwischen sagte Marta Kos, die EU-Kommissarin für Erweiterung, einen für diese Woche geplanten Besuch in Belgrad ab, wobei sie von einer "Verherrlichung" Mladićs sprach.
Die serbische Regierung wies offiziell eine Beteiligung an der Organisation der Beisetzung zurück. Dennoch wurden die sterblichen Überreste mit einem Regierungsflugzeug transportiert, während Angehörige der serbischen Streitkräfte den Sarg, bedeckt mit der Nationalflagge, auf dem Weg zum Friedhof begleiteten und die Militärkapelle einen Trauermarsch spielte. Porfirije Perić, Patriarch der serbisch-orthodoxen Kirche, segnete Mladić aus, und zwar im Beisein hochrangiger Staatsbeamter, darunter der Verteidigungs- und der Justizminister. Präsident Aleksandar Vučić blieb der Beerdigung fern.
Justizminister Nenad Vujić verteidigte am Freitag das Recht serbischer Bürger, Mladić die letzte Ehre zu erweisen, und betonte, dass "die Strafe mit dem Tod endet." Seit dem Tod von Mladić tauchten in ganz Belgrad ihm gewidmete Wandgemälde auf. Bei dem Trauerzug trugen junge Männer schwarze T-Shirts und Fahnen mit dem Gesicht des Verstorbenen. Bei dem Fußballspiel am Sonntag zwischen den größten serbischen Clubs war ein Transparent mit der Aufschrift "Richtung Potočari!" zu sehen – eine düstere Anspielung auf die blutige Einnahme des ostbosnischen Dorfes durch Mladić. Miloš Jovanović, Vorsitzender der Neuen Demokratischen Partei und eine Oppositionspersönlichkeit, nahm ebenfalls an der Trauermesse teil und erklärte, die serbischen Bürger betrachteten Mladić als "ein Symbol der Freiheit für das serbische Volk".
Die Nachbarländer Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina sowie der Kosovo verurteilten die Ereignisse. Bosnien als Land, das am stärksten von Gewalt betroffen war, stellte Strafanzeigen gegen Personen, die seit dem Tod von Mladić dessen Image förderten, was in Bosnien strafbar ist.
Mladić führte während des Zerfalls von Jugoslawien die Streitkräfte der Republika Srpska an. Er wurde 2011 festgenommen und nach Den Haag ausgeliefert, wo der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien ihn wegen Kriegsverbrechen und Völkermord in Srebrenica anklagte und 2017 zu lebenslanger Haft verurteilte. Am 27. August 2026 starb er im Gefängnis im Alter von 84 Jahren.
Nach den Kriegswirren der 1990er Jahre war Mladić auf der Flucht in Serbien. Die EU machte seine Festnahme und Auslieferung zur strikten Bedingung für den Beginn von EU-Aufnahmegesprächen mit Serbien. Erst nach seiner Auslieferung im Jahr 2011 erhielt Serbien im März 2012 den offiziellen EU-Kandidatenstatus. Die formellen Beitrittsverhandlungen begannen im Januar 2014. Unmittelbar danach ist der Prozess ins Stocken geraten.
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